Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft :: Schweiz: Lausanne

Studium an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne

von Heiko Bosler


Im Wintersemester 2009/2010 habe ich in der französisch sprachigen Schweiz an der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL) studiert. Meine Eindrücke und Erfahrungen habe ich hier zusammengefasst.


Warum Lausanne?

Grundsätzlich wollte ich meine Französischkenntnisse verbessern und bin dadurch auf die EPFL aufmerksam geworden. Außerdem hat mich interessiert, wie der Studienalltag außerhalb Deutschlands aussieht.

Der Campus in Lausanne ist großteils sogar bilingual (Französisch und Englisch) und gilt mit einem sehr großen Anteil an Studenten und Mitarbeitern aus verschiedensten Ländern als einer der internationalsten weltweit. Ideal also um neben Französisch-, auch die Englischkenntnisse auszubauen und viele interessante Studienerfahrungen mit unterschiedlichen Menschen zu sammeln. Hinzu kamen der sehr gute Ruf der EPFL und die malerische Lage Lausannes in der Nähe der Schweizer Alpen direkt am Ufer des Lac Léman – des Genfer Sees.


Partneruniversität

Die EPFL ist Partneruniversität der Uni Stuttgart. Dadurch ist dort ein Austausch über das Erasmus-Programm möglich. Unser Studiengang hat zwar leider direkt noch keine Partnerschaft, jedoch bieten das Städtebauinstitut und das Institut für Luftfahrtantriebe jeweils zwei Austauschplätze für Studenten aus Stuttgart an. Beide Institute bevorzugen allerdings Studenten aus der eigenen Fakultät. Eine rechtzeitige Bewerbung (ca. ein halbes Jahr im Voraus) und etwas Glück gehören also dazu. Hat man erst mal einen Austauschplatz, kann das gewünschte Studienfach in Lausanne frei gewählt werden. Ich war über das Institut für Luftfahrtantriebe in Lausanne.

Es ist außerdem ratsam, rechtzeitig mit den jeweiligen Lehrbeauftragten in Stuttgart über einen geplanten Auslandsaufenthalt zu sprechen. Am Institut für Baubetriebslehre stand man dem sehr offen gegenüber und so ließen sich z.B. terminliche Probleme schon im Vorfeld beseitigen oder auch zum Teil bequem von Lausanne aus per E-Mail regeln.

Auf diesem Weg besten Dank für die Hilfe und Unterstützung!


Intensiv-Sprachkurs

Vor Semesterbeginn wurde für alle Austauschstudenten ein 3-wöchiger Intensiv-Sprachkurs in Französisch angeboten. Der Sprachkurs war eine super Vorbereitung. Es gab die Möglichkeit die Uni und Lausanne schon vor dem Semesterstart kennenzulernen und außerdem habe ich dort einige der Freunde kennengelernt mit denen ich fast das gesamte restliche Semester verbracht habe. Außerdem hat mir der Kurs gleich am Anfang einen ordentlichen Schub nach vorne bei meinen Französischfähigkeiten gegeben, was wohl an unserem sehr guten Lehrer lag.


Organisatorisches

Auffallend waren der herzliche Empfang an der Uni mit vielen Einführungsveranstaltungen und der gute organisatorische Ablauf der auch über das Semester weitergeführt wurde.

Kursinformationen, Kursmaterial, Prüfungsan- und abmeldung, Ergebnisse, Evaluationen – schlichtweg alles Organisatorische wurde schnell, einfach und zentral über das Internet geregelt. Für Fragen stand das Students Help Desk direkt auf dem Campus jederzeit zur Verfügung.

Die Kurswahl war für Austauschstudenten außerdem sehr flexibel. Ich konnte aus allen Fächern der EPFL (wie z.B. Bauingenieurwesen und Architektur), jedoch auch der Université de Lausanne (wie z.B. BWL an der Fakultät HEC) völlig frei wählen. Auch Sprachkurse waren frei wählbar, wovon ich während des Semesters auch noch Gebrauch machte.


Sport in Lausanne

Die Uni bietet ein riesiges Sportangebot (schließlich sitzt in Lausanne ja auch das IOC). Das Sportzentrum direkt am Seeufer bietet unter anderem: Kletteranlagen, verschiedenste Sportplätze, Fitnessräume und eine Segelschule - um nur mal ein paar zu nennen. Auch im Winter ist das Programm groß, es werden zum Beispiel viele günstige und geführte Ski-Ausfahrten oder zahlreiche Hallensportarten angeboten.


Semesterablauf

Die Vorlesungszeit mit anschließender Prüfungsphase war in Lausanne von Mitte September bis Anfang Februar. Durch den Intensiv-Sprachkurs vor dem Semesterbeginn konnte ich vorher in Stuttgart also nur Prüfungen schreiben die am Anfang der Prüfungszeit lagen. Dies zu planen war schwierig, da die Prüfungstermine in Stuttgart bei Vorlesungsbeginn noch nicht bekannt sind und irgendwie muss man seinen Stundenplan ja zusammenstellen. Ich habe deshalb die Prüfungstermine aus den Vorjahren zusammengestellt und mich auf diese verlassen, was im Endeffekt auch ganz gut funktioniert hat. Im Gegenzug ist man im Februar wieder rechtzeitig in Stuttgart zurück, um noch ein paar Prüfungen aus dem Wintersemester zu schreiben. Da bei uns im Studiengang jedoch mehr Prüfungen im Sommer als im Winter stattfinden, wäre es im Nachhinein betrachtet vielleicht sogar zeitsparender gewesen im Sommersemester nach Lausanne zu gehen. In Lausanne müsste man dann allerdings in die bereits laufenden Masterstudiengänge quer einsteigen, was oft ungünstig ist. Für mich war jedenfalls das Wintersemester die richtige Entscheidung, da mir das Herbst-Kursangebot der EPFL einfach besser zugesagt hat.


Kurse

Neben den Sprachkursen habe ich an der EPFL überwiegend Kurse aus dem Bereich Bauingenieurwesen besucht. Dabei waren die meisten auf Französisch. Meiner Erfahrung nach waren die Kurse an der EPFL während des Semesters relativ arbeitsintensiv. Benotete wöchentliche Übungsaufgaben, semesterbegleitende Projekte und Midterm-Klausuren waren die Regel. Die studentische Betreuung war jedoch sehr gut und wir konnten Fragen meistens auch außerhalb der Sprechzeiten direkt an die jeweiligen Professoren stellen, per Email oder persönlich am jeweiligen Institut.

Die intensive Arbeit während des Semesters wirkte sich natürlich auch auf die Vorbereitung der Prüfungen positiv aus, die am Semesterende alle in einem sehr kurzen Zeitraum stattfanden. Die Endnote hing also nicht nur von der Abschlussklausur ab, und beim Lernen hatte man schon eine breite Basis. Außerdem hatte man im Anschluss an die Prüfungen zumindest ein paar Wochen Semesterferien, was ja in Stuttgart eher selten der Fall ist.

Meine drei interessantesten Veranstaltungen möchte ich hier kurz vorstellen.


Energétique du bâtiment

Diese Vorlesung, aus dem Master-Kursangebot Bauingenieurwesen, behandelte verschiedene Bereiche der Bauphysik. Energiebilanzen, Beleuchtung, Luftqualität, Heizsysteme und wirtschaftliche Gesichtspunkte wurden vorgestellt. Der Schwerpunkt lag auf einem Gruppen-Semesterprojekt, in dem ein Gebäude anhand der Schweizer Normen auf Energieeffizienz eingehend untersucht wurde. Dies sollten wir zusätzlich mit speziellen Programmen simulieren.

Ich habe eine super Gruppe erwischt und die Teamarbeit hat mich auch sprachlich nach vorne gebracht. Zum Abschluss gab es eine mündliche Prüfung über Vorlesungsinhalte und die angefertigte Arbeit. In Stuttgart kann ich das Fach voraussichtlich für Wärmeschutz- und Energieeinsparung am Lehrstuhl für Bauphysik anrechnen lassen.


Organisation, économie et droit de la construction

In dieser Veranstaltung, ebenfalls auf Französisch, wurden organisatorische, wirtschaftliche und rechtliche Aspekte eines Bauvorhabens vorgestellt. Die Vorlesung wurde aufgeteilt von drei verschiedenen Professoren gehalten, die den Stoff immer mit vielen Beispielen aus der Praxis dargestellt haben. Der Schwerpunkt der Abschlussklausur lag auf Fragestellungen aus dem Rechtsbereich, die anhand der Schweizer Normen und Gesetze beantwortet werden sollten.


Introduction to Finance

Meine einzige englischsprachige Vorlesung, aus dem Fächerangebot des Masterstudiengangs Financial Engineering, war mit 6 ECTS auch mein umfangreichster Kurs. Zum Inhalt zählten verschiedene finanzmathematische Theorien und Vorgehensweisen. Diese wurden mit zahlreichen Übungsaufgaben und mit zwei sehr interessanten semesterbegleitenden Projekten in Gruppenarbeit vertieft, deren Ergebnisse auch vor dem Kurs präsentiert wurden. Neben den Kursinhalten konnte ich hier meinen Englischwortschatz deutlich ausbauen und auch die vermittelten Anwendungen in Microsoft Excel fand ich sehr interessant. Aller Voraussicht nach kann ich mir dieses Fach in Stuttgart für Portfoliomanagement anrechnen lassen.


Rolex Learning Centre

Das wirklich ausgefallene Gebäude, mitten auf dem Campus der EPFL, wurde zum Ende meines Aufenthalts in Lausanne fertiggestellt. Von den Architekten SANAA aus Tokio entworfen, ist das Gebäude mit seinem ausgefallenen Design einfach so beeindruckend dass ich es hier extra erwähnen möchte. Für die Studenten der EPFL dient es mit zahlreichen Arbeitsplätzen als Ort zum Lernen und Arbeiten. Außerdem sind die Bibliothek und einige weitere Institutionen der Uni dort angesiedelt. Unter www.rolexlearningcenter.ch finden sich weitere Informationen und Bilder, außerdem ist dort auch noch ein Kurzporträt der EPFL zu finden.


Noch Fragen?

Wenn Ihr euch für ein Auslandssemester in Lausanne interessiert und Fragen habt, dann schreibt mir doch einfach eine Mail! Vor allem was Wohnen und Organisatorisches am Anfang betrifft sind ein paar Tipps sicher hilfreich. Meine E-Mailadresse lautet heiko.bosler@ANTISPAM-gmx.de.

Außerdem ist die Homepage der Uni www.epfl.ch sehr gut und bietet Antworten auf viele Fragen.

Für mich hat sich das Auslandssemester in Lausanne auf jeden Fall gelohnt. Neben den Studienerfahrungen habe ich dort sehr viele Freunde aus den verschiedensten Ländern kennengelernt, mit denen ich eine super Zeit verbracht habe. Eine solche Erfahrung kann ich nur jedem empfehlen!


Heiko Bosler

Studiengang Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft
Stuttgart, den 31. März 2010



Links

www.epfl.ch


Impressionen

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