Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft :: Singapur

Auslandssemester in Singapur an der Nanyang Technological University

von Annkatrin Schneider


Warum Singapur?

Asien hat auf mich schon seit längerem einen großen Reiz ausgeübt, da die asiatische Kultur so anders ist als unsere eigene.

Die Universität Stuttgart hat Partner-Unis in Hong Kong, Japan und Singapur. Dass ich mich für Singapur entschieden habe, war eine reine Bauchentscheidung. Man muss jedoch dazu sagen, dass Singapur eine hervorragende geographische Lage in Asien hat und hinzu kommt eine beachtliche Infrastruktur im Land selber, sowie eine sehr reizvolle Mischung aus westlicher und asiatischer Kultur. In Singapur hat man alle asiatischen Kulturen vereint und aufgrund der hohen Entwicklung ist es vergleichbar mit Europa.


Vorbereitung für das Auslandssemester

Die Vorbereitungen für das Auslandssemester laufen relativ einfach und reibungslos ab. Zuerst sollte man sich einen Termin am Internationalen Zentrum geben lassen und alle anstehenden Fragen klären.

Das Bewerbungsformular gibt es auf der Internetseite des Internationalen Zentrums und macht die Bewerbung sehr einfach.

Neben den normalen Bewerbungsunterlagen muss der Notenauszug auf englisch übersetzt werden, gewünschte Kurse müssen angegeben und ein Motivationsschreiben verfasst werden

Einen TOEFL Test habe ich für die Uni in Singapur nicht gebraucht. Nachdem ich die Bewerbung abgegeben hatte, hieß es warten. Die Bestätigung des Internationalen Zentrums, dass man für die gewünschte Uni nominiert wurde, bedeutet meistens inoffiziell, dass man den Platz bekommen hat. Man sollte sich jedoch nicht zu sicher wähnen und erst die Bestätigung der Partner-Universität abwarten.


Allgemeines über Singapur und die NTU

Singapur liegt in Südostasien und ist vor allem durch den modernen Hafen einer der größten Warenumschlagsplätze der Welt, was vor allem auf die besonders zentrale Lage in Südostasien zurück zu führen ist. Singapur hat ca. 5 Millionen Einwohner auf einer Fläche von ca. 710 km². Man kann Singapur bequem mit der Metro in ca. 1,5 Stunden von einer zur anderen Seite durchqueren. Besonders toll an Singapur sind die ganzen Grünflächen und Parks, die die Regierung auch sehr schützt und bewahren will. Auszeichnend für die Löwenstadt sind die vielen verschiedenen Nationen die sich dort zusammengefunden haben. Die gesamte Innenstadt besteht aus vielen verschiedenen Stadtteilen, die von den dort wohnenden Menschen geprägt wird. So reihen sich zum Beispiel Chinatown, Little India und die Arab Street nebeneinander und bei jedem Viertel hat man das Gefühl in einem anderen Land zu sein.

Singapur ist bekannt für seine zahlreichen Verbote und damit verbundenen Verbotsschilder. Man muss tatsächlich sehr aufpassen, nicht gegen irgendwelche Regeln zu verstoßen und im Extermfall Bambushiebe, oder eine Gefängnisstrafe zu bekommen, für Drogenkonsum gibt es die Todesstrafe. Dafür hat Singapur jedoch kaum Kriminalität und ist wie das Klischee besagt sehr sauber. Viele sind jedoch der Meinung, dass Singapur dadurch zu steril und langweilig ist und keinen wirklichen Flair besitzt.


Sprache

In Singapur ist die Hauptsprache Englisch. Es gibt jedoch auch einige Leute, die nicht wirklich Englisch sprechen können (Busfahrer, Essensverkäufer in den Kantinen und Hawker Centern etc.).

Das Problem in Singapur ist das sogenannte „Singlish“. Im Singlischen werden an die Englischen Sätze irgendwelche asiatischen Worte angehängt oder auch ersetzt. Ganz beliebt ist das Wort „lah“, was immer an jeden Satz angehängt wird. Anfangs muss man sich etwas daran gewöhnen und erst nach einiger Zeit kann man den Slang auch verstehen.


Kursanmeldung an der NTU

Nachdem ich die Zusage der Nanyang Technological University bekommen hatte, begann erst der wirkliche Bürokraten-Marathon. Die NTU hat zwar ein großes Kursangebot, jedoch gibt es einige Kurse die beliebter sind, als andere. Man sollte sich schon in Deutschland ernsthafte Gedanken über die gewünschten Kurse machen, denn eine gute Vorbereitung für das Kurswahl-System an der NTU ist hilfreich. Die ersten paar Tage an der NTU muss man damit verbringen, sich online über den sogenannten „STARS planner“ in die Kurse einzuschreiben. Man bekommt immer wieder über das Portal angezeigt, ob man einen Platz in dem jeweiligen Kurs bekommen hat und ob es eine Überschneidung mit anderen Kursen gibt oder nicht. Das ganze System ist ziemlich aufwendig und anstrengend, da alle Studenten um Punkt 10 Uhr vor ihrem PC sitzen und versuchen ihre Lieblingskurse zu ergattern. Eine vorherige Absprache mit den Professoren in Stuttgart über eventuelle Anerkennungen von Prüfungen ist daher schwierig, da man meistens am Ende nicht die Kurse belegt, die man sich zu Anfang heraus gesucht hatte. Mehrere Alternativ-Pläne sind also von Nutzen.

Wichtig bei dem System STARS planner ist, dass man sich vorher genau durchliest, wie das ganze System funktioniert (ein Informationsblatt wird von der NTU mitgeschickt). Bei Problemen kann man jederzeit bei „Ashley“ vorbeigehen. Sie ist zuständig für die gesamte Kursanmeldung und dementsprechend genervt, wenn ständig Studenten und vor allem Austauschstudenten bei ihr im Büro auftauchen und am STARS planner verzweifeln. Die Frist zur Kursanmeldung sollte man besser nicht verpassen, sonst erwartet einen noch schlimmeres, als nur eine genervte Ashley.

Hat man einmal den Kursanmelde-Marathon hinter sich, kann es mit dem Studieren los gehen.


Studieren

In Singapur legt man sehr viel Wert darauf, dass man während des Semesters viel arbeitet. Die Ingenieursfächer haben meistens 2 Tutorien mit Anwesenheitspflicht pro Woche Man sollte immer gut vorbereitet in die Tutorien gehen, denn auch die Austauschstudenten müssen mal an der Tafel etwas vorrechnen. In den Businesskursen werden viele Gruppenarbeiten und Präsentationen gemacht. In der Mitte des Semesters gibt es eine Zwischenprüfung, die mit in die Gesamtnote einfließt und am Ende des Semesters gibt es noch einmal ein Final Exam. Am Ende wird alles Zusammengerechnet (die Mitarbeit während des Semesters, Präsentationen, Anwesenheit in den Tutorien, Zwischen-Exam und Final-Exam).

Aufgrund des hohen Aufwands während des Semesters sollte man nicht mehr als 3 Kurse belegen, wenn man auch noch etwas vom Land und der Umgebung sehen will.


Wohnheim

Ganz wichtig ist es, dass man auf jeden Fall versucht einen Platz im Wohnheim an der NTU zu bekommen, die Uni liegt im Westen von Singapur und ist fast eine eigene kleine Stadt.

Die Wohnheimsplätze sind nur begrenzt und ein Wohnen „off campus“ ist in Singapur sehr teuer und nicht schön. Sollte man keinen Platz bekommen, schaut man am besten nach Wohnungen in Jurong East und West. Wohnungen im Zentrum haben vielleicht im ersten Moment ihren Reiz, man braucht jedoch mindestens eine Stunde von der City zur NTU und die Fahrt kann in den vollgestopften Bahnen morgens und abends zum Horrortrip werden.

Im Wohnheim werden eigentlich alle Austauschstudenten in Doppelzimmern untergebracht. Ich hatte Glück, mein Wohnheim war frisch renoviert, die Zimmer sind groß genug für zwei und die meisten internationalen Studenten werden auch zusammen in ein Zimmer gesteckt. Mit meiner Mitbewohnerin aus Schweden habe ich mich sehr gut verstanden und auch nachdem die Möglichkeit zu einem Wechsel in ein Einzelzimmer bestand, wollte keine von uns beiden das Angebot annehmen. Wir beide fanden es super, dass man immer jemanden hatte, mit dem man zusammen losziehen konnte und abends noch vorm Einschlafen quatschen konnte. Problematisch wird es, wenn man sich nicht gut versteht. Die Bäder sind auf dem Gang und man teilt sie sich mit mehreren anderen Zimmern, jeden Tag kommt aber eine Putzfrau und es gibt immer genug freie Duschen und Toiletten.


Campus

Die NTU ist wie erwähnt beinahe eine eigene kleine Stadt. Der Campus hat mir sehr gut gefallen, da überall Palmen und Pflanzen wachsen. Der eigentliche Uni-Komplex besteht aus verschiedenen Instituten, Hörsälen, Bibliotheken und Kantinen (wie in Deutschland auch). Alles ist nur sehr viel moderner und neuer als zum Beispiel an der Uni Stuttgart. Die Größe und Ausstattung der Hauptbibliothek hat mich als Stuttgarter Studentin auf jeden Fall staunen lassen.

Um den Uni-Komplex sind die Wohnheime angesiedelt, jedes Wohnheim hat noch mal eine eigene Kantine, man kann sich also jeden Tag einen anderen Platz zum Essen raussuchen. Man muss jedoch sagen, dass die meisten Kantinen auch das gleiche Essen haben. Es gibt in jeder Kantine verschiedene Stände, wo verschiedene Gerichte verkauft werden (Indisch, Vegetarisch, Thailändisch, Indonesisch, Japanisch, Western Food etc.). Das Angebot ist so vielseitig, dass die meisten Studenten, die auf dem Campusgelände wohnen auch dort die meiste Zeit essen. Es gibt jedoch in der Umgebung auch viele „Food-Courts“ wo man mit dem Bus schnell und einfach hinkommt.

Das Wohnen und Essen ist auf dem Unigelände sehr günstig. Das Zimmer kostet ungefähr 200 Euro und Essen in den Kantinen gibt’s ab 2 Euro.

Auf dem Unigelände fahren Shuttlebusse, die einen von A nach B fahren. Jeder Bus hat eine andere Route und nach ein paar Mal falsch fahren weiß man dann auch, welcher Bus wohin fährt. Die Shuttlebusse sind kostenlos.

Natürlich befindet sich auf dem Campusgelände auch eine riesige Sportanlage mit mehreren Fitnessstudios, Sportplätzen und einem - bei den Austauschstudenten sehr beliebten - Pool. Die Nutzung ist kostenlos und nur die Anmeldung zu Sportkursen kostet noch mal etwas zusätzlich. Ungefähr 10 Euro für das Semester pro Kurs. Von Bauch, Beine, Po, über Fußball bis hin zum Rugby gibt es an der NTU alle möglichen Sportangebote, die man auf jeden Fall nutzen sollte.


Menschen in Singapur

Zunächst ist man natürlich sehr viel mehr mit Austauschstudenten unterwegs. Es werden Partys, Reisen und Welcome-Abende organisiert, wo generell nur internationale Studenten auftauchen. Das Kennenlernen läuft einfach und schnell ab, da alle in der gleichen Situation sind. Etwas schwieriger wird es, wenn man Singapurer kennen lernen will. Es gibt einige die sehr offen bezüglich internationalen Studenten sind und sich über jeden Kontakt freuen, die Mehrheit ist jedoch anfangs sehr distanziert und es dauert recht lange, bis man sich besser kennt. Hat man aber die erste Hürde geschafft, kann man Freunde fürs Leben finden und sehr viel Spaß miteinander haben.

Wer also etwas Geduld hat, sollte sich von den ersten distanzierten Begegnungen nicht abschrecken lassen und auf jeden Fall den Kontakt zu einheimischen Studenten suchen, denn hinter der reservierten Fassade stecken sehr loyale, humorvolle und herzensgute Menschen.


Weggehen in Singapur

Das Nachtleben in Singapur ist sehr gut. Es gibt das sogenannte „Clarke quay“. Dort sind jede Menge Bars und Clubs. Für Frauen ist das Nachtleben in Singapur ein Paradies. Es gibt mittwochs in allen Clubs und Bars die „Ladies Night“, was bedeutet, dass Frauen freien Eintritt und meistens auch freie Getränke haben. Die armen Jungs hingegen können in so einem Auslandssemester schon mal bankrott gehen. Denn ein Eintritt abends kostet um die 15 Euro und beinhaltet keine Freigetränke, die Getränke selber haben dann auch noch mal ordentliche Preise.

Zusätzlich werden von älteren Studenten Partys und Reisen nach Malaysia und Indonesien für die Austauschstudenten organisiert.


Annkatrin Schneider (annkatrin_01@ANTISPAM-yahoo.de)
Studentin Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft, Universität Stuttgart
Stuttgart, den 01. Juni 2011



Links

www.ntu.edu.sg


Impressionen

NTU AdministrationCampusFakultät für KunstBibliothekBibliothekWohnheim Hall 15KantineMarina BaySkyline Singapur


Weitere Bilder zur NTU finden Sie z.B. bei wikimedia commons.



2017 Universität Stuttgart - Institut für Baubetriebslehre   [index.php?id=471]   [18.11.2017]