Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft :: Südafrika: Kapstadt

Auslandssemester in Südafrika an der UCT Kapstadt

von Monica Popescu


Warum Kapstadt?

Spätestens seit der Fußball WM 2010 in Südafrika, ist der südlichste Teil des afrikanischen Kontinents eines der beliebtesten Ausflugziele deutscher Touristen geworden. Im Rahmen eines Gesprächs mit einem Mitarbeiter des Instituts für Baubetriebslehre, wurde ich auf das bis dato noch einzurichtende ISAP des IBL mit dem EBE der University of Cape Town aufmerksam. Nach nur kurzen Überlegungen habe ich mich entschieden, mein Glück zu versuchen und mich auf eines der fünf Studienplätze zu bewerben. Warum? Die University of Cape Town gilt als beste Universität Afrikas und der Campus als einer der schönsten weltweit. Der direkte Austausch im Rahmen eines ISAP bietet neben einer persönlicheren Betreuung vor Ort auch die Möglichkeit meine Kurse vereinfacht anrechnen zu lassen. Und natürlich wollte ich das Land Südafrika und dessen Kultur kennenlernen.


Allgemeines über die University of Cape Town UCT

Offizielle Unterrichtssprache an der UCT ist Englisch. Über 20.000 Studenten studieren in allen erdenklichen Fachrichtungen an der Universität, davon 20% Austauschstudenten. Neben der multikulturellen Zusammensetzung der Mitarbeiter, Lehrenden und Studierenden, besticht die UCT aber auch durch gute Infrastruktur, Ausstattung und Service. Die für unsere Verhältnisse horrend wirkenden Studiengebühren, welche für reguläre Studierende der UCT anfallen, werden unter anderem in die Computerräume, Bibliotheken und kostenlos ausgehändigte Bücher und Skripte investiert.

Die Jammie Plaza, ein Platz zwischen den Treppenstufen des Upper Campus bietet jeden Mittag Platz für Veranstaltungen, Konzerte und Informationsstände. Eine Mensa wie wir sie kennen, gibt es an der UCT (glücklicherweise) nicht. Neben vereinzelten Kaffeebars und Sandwichständen gibt es einen Food Court mit Imbissständen. Das Angebot reicht von afrikanischen Gerichten, über Burger, Sushi, Salate bis hin zu Obstständen. Das klingt zwar nach Vielfalt, aber nach 6 Monaten Hähnchenwraps, Hähnchenburger und Hähnchenpanini kann jedoch der Wunsch nach ein wenig mehr Abwechslung entstehen.

Des Weiteren ist das Einführungsprogramm für die internationalen Studenten positiv zu nennen. Eine Woche lang kann man an den unterschiedlichsten Veranstaltungen teilnehmen, um Kontakte zu knüpfen, sich nötige Informationen einzuholen und vor allem die erste Woche an der UCT zu genießen. Von Campusführungen, Sicherheitsbelehrungen, über Trommelkurse, bis zu einer Peninsula-Tour war alles bei den Programmpunkten dabei.
 
Neben der Schönheit des Campus und Annehmlichkeiten vergisst man jedoch recht schnell, dass man zum Studieren dort ist. Spätestens nach der ersten Vorlesungswoche wird diese Euphorie etwas gedämpft. Studieren an der UCT würde ich alles andere als ein Zuckerschlecken beschreiben. Das verschulte System ist sehr zeitintensiv und erfordert auch schon während der Vorlesungszeit besonders viel Engagement. Wie schon erwähnt, genießt die UCT weltweit einen sehr guten Ruf und schneidet in Universitätsrankings überdurchschnittlich gut ab. Meinem Eindruck nach, wird sie diesem auch gerecht. Ob diese Art von Studieren einem persönlich liegt, ist wieder ein anderes Thema.


Vorbereitung für das Auslandssemester

Die Vorbereitung umfasste im Rahmen des ISAP ein Bewerbungsverfahren mit Auswahlgespräch. Der Erhalt des "study permit", um welches wir uns nach der Zusage kümmern mussten, stellte jedoch ein weitaus bürokratischeres und aufwändigeres Verfahren dar. Neben unzähligen Dokumenten die benötigt werden (u.a. Auslandskrankenschutzbescheinigung, Einladung der UCT, Polizeiliches Führungszeugnis, Nachweis ausreichend finanzieller Mittel), mussten wir persönlich bei der Botschaft in München erscheinen, um eine Barkaution von ca. 750 € zu hinterlegen und die Kosten des Visums von ca. 60 € zu begleichen.

Mittlerweile ist sogar die südafrikanische Botschaft in der Moderne angekommen und hat sich ein Konto zugelegt. Ein persönliches Erscheinen ist somit nicht mehr notwendig, jedoch zu empfehlen, wenn die Zeit begrenzt ist. Die Bearbeitungszeit kann bis zu 6 Wochen dauern und sie sind sehr kleinlich, wenn es um die Richtigkeit der Dokumente geht. Von uns Fünfen mussten 3 ihre Unterlagen wieder mitnehmen und etwas ausbessern.


Studieren an der UCT

Kursanmeldung

Die Kursanmeldung ist ein aufwändiges Verfahren an der UCT. Nach der Wahl der Kurse muss man sich bei jedem jeweiligen Professor eine Unterschrift einholen, der einem die Teilnahme am Kurs bestätigt (viele Kurse der höheren Semester haben Teilnehmerbeschränkungen). Mit diesen Unterlagen darf man sich dann in die Warteschlange der Admission Office stellen. Vergleichbar mit der Warteschlange der Silverstar im Europapark an einem schönen Sommertag in den Schulferien. Wir sind um das Prozedere dieser "course admission", dank ISAP, herumgekommen und wurden bereits vorab registriert.

Hochschulsport und "Societies"

Das Angebot an Sportclubs und sonstigen Hochschulgruppen ist groß und vielfältig. Als internationaler Student hat man die Möglichkeit drei Kursen kostenlos beizutreten, sodass ich mich am Anfang zum UCT Golfclub und im UCT Yacht Club angemeldet habe. Zu beachten gibt es dabei eigentlich nur, dass es eine bestimmte Frist am Anfang des Semesters gibt zu der man sich im Sportzentrum anmelden muss. Ansonsten läuft die Kommunikation der Gruppen über Facebook. Vor allem Anfängerkurse sind sehr beliebt, deswegen muss man sich frühzeitig über die Anmeldefristen informieren und besonders schnell bei der Anmeldung sein.

Vorlesungen

Wie bereits erwähnt ist das Studiensystem der UCT sehr verschult. Anwesenheitsplicht, geringe Teilnehmerzahlen, viele Hausarbeiten, gelegentliche Präsentationen, Tests aber auch neue Lehrmethoden wie Forendiskussionen dass es in unserem Falle besonders extrem war. Denn der Studiengang "Property Studies" dem wir für dieses Semester angehörten ist ein (RICS) akkreditierter Studiengang, welcher dafür sorgt, dass Leistungspunkte ihren Arbeitsstunden gerecht werden. Aber auch allgemein gilt, dass wissenschaftliches Arbeiten, in Form von Hausarbeiten, an der UCT ganz groß geschrieben wird. Modulnoten setzen sich oft zu je 50% aus Semesternote und Prüfungsnote zusammen. Die nötige Vorbereitung auf die Prüfungen ist aufgrund der intensiven Vorarbeit vergleichsmäßig niedrig.


Leben in Kapstadt

Das Leben in Kapstadt ist einmalig. Die hilfsbereiten Menschen, die herzliche Kultur, das angenehme Klima, die Schönheit der Stadt-das Meer und die Bergen, der Lobesgesang könnte so weitergehen. Jedoch ist es auch sehr teuer. Neben den Mietpreisen sind vor allem Lebensmittel, Drogerieartikel, Kleidung und Elektroartikel um einiges teurer als in Deutschland. Ich persönlich habe in einem Zwei-Personen-Haushalt gewohnt und nach einigen Wochen haben wir resigniert feststellen müssen, dass daheim kochen sich einfach nicht lohnt. Denn Restaurantbesuche sind vergleichsweise preiswert.


Wohnen in Kapstadt

Der Wohnungsmarkt in Kapstadt ist sehr überlaufen. Es gibt die Möglichkeit sich vorab ein Platz in einem Studentenhaus zu "buchen". Das sind in den Umgebungsgebieten der Universität gelegene Häuser mit 3-10 Zimmer, in welche internationale Studenten einquartiert werden. Ich persönlich habe mich dagegen entschieden, ein Zimmer zu buchen und zu bezahlen, welches ich vorher nicht einmal gesehen habe. Die Zuweisung erfolgt erst nach Buchung. Ich denke mit den Häusern kann man, was die Lage und Ausstattung angeht, Glück haben, aber auch viel Pech. Günstig sind sie mit 430 € mtl. auch nicht. Es ist jedoch sicherlich eine gute Möglichkeit, schnell und einfach Kontakt zu anderen internationalen Studenten zu knüpfen.

Die private Wohnungssuche ist leider nicht so stressfrei wie die IAPO Alternative. Vollmöblierte Wohnungen mit Kurzzeitverträgen, gibt es, sind aber auch sehr begehrt. Ich würde empfehlen möglichst schon Anfang / Mitte Januar zu suchen. Über die Seite gumtree.co.za sind so gut wie alle Angebote zu finden. Wenn die Zahl an Interessenten hoch ist, sollte man sich auch überlegen dem Vermieter ein wenig mehr Geld zu bieten. Vor allem, wenn dieser eigentlich eine Langzeitvermietung anstrebt.


Weggehen in Kapstadt

So vielfältig und lebensfroh wie die Menschen in Kapstadt sind, genauso ist auch das Nachtleben. Die Longstreet ist der bekannteste Ort für alle Nachtschwärmer. Tagsüber eine Shoppingmeile mit exklusiven Second-Handläden und zahlreichen Cafés, öffnen gegen Abend die Bars und Clubs ihre Türen. Es erinnert ein wenig an die Theodor-Heuss-Straße in Stuttgart. Jedoch ist die südafrikanische Version weitaus vielfältiger und preiswerter. Wie auch Restaurantbesuche sind Drinks vergleichsweise günstig. Neben den Clubs in der Longstreet gibt es noch ein paar Diskotheken in Camps Bay und so gut wie jedes Wochenende, steigt in einem der internationalen Studentenhäuser eine Party.


Kriminalität

"Hattest du denn keine Angst?", "Ist denn nichts passiert?", das sind die üblichen Fragen, die man nach einem halbjährigen Aufenthalt in Südafrika typischerweise hört. Sicherheit ist ein großes Thema in Kapstadt. Ich persönlich kann jedoch behaupten, dass ich mich zu keinem Zeitpunkt gefährdet gefühlt habe. Wenn man sich an einfache Regeln hält, teuren Schmuck nicht zu Schau stellt, sich nachts nur in belebten Straßen aufhält und auch sonst vorsichtig ist, hat man nichts zu befürchten. Zumindest nicht mehr als woanders. Securities und Polizisten sind überall aufgestellt, die UCT bietet Sicherheitsdienste wie Notruftasten an und vieles mehr. Ich denke, solange man nicht leichtsinnig wird, ist akute Gefahr kein Thema. Allerdings habe ich während meines Aufenthaltes öfters mitbekommen, dass vor allem internationale Studentenhäuser ein beliebtes Ziel für Diebe sind. Außerdem sollte man nie etwas im Auto liegen lassen. Diese werden sofort aufgebrochen, selbst für eine Tüte aus dem Supermarkt.


Fazit

Abschließend kann ich eigentlich nur sagen, dass das Semester meine Erwartungen in jeder Hinsicht übertroffen hat. Ich würde jedem, der die Chance bekommt, empfehlen nach Kapstadt zu gehen. Lediglich den Arbeitsaufwand für die Kurse an der UCT darf man dabei nicht unterschätzen, deswegen würde ich mir im Vorfeld gut überlegen wie viele Leistungspunkte ich ablegen will.

Ansonsten kann man in Kapstadt in eine faszinierende Kultur eintauchen, abenteuerlich Reisen und wundervoll leben. Der Strand vor der Tür bietet Gelegenheit zum Surfen und Relaxen, die Berge laden zum Wandern ein und die Weingüter rund um die Stadt bieten Möglichkeiten für feuchtfröhliche Weinverkostungen. Ein Rugbyspiel im Stadion, ein Konzert im Fußballstadion, Theateraufführungen  -auch kulturell wird man in Kapstadt nicht enttäuscht. Letztendlich waren es jedoch die Menschen, mit ihrer unglaublichen Lebensfreude, die mich am meisten beeindruckt haben und meinen Aufenthalt zu einem wundervollen Erlebnis machten.


Monica-Elena Popescu (E-Mail)
Studiengang Immobilientechnik und Immobilienwirtschaft, Universität Stuttgart
Stuttgart, im August 2012



Studienaustausch-programm für Master-Studierende - Details siehe >hier


Links

www.uct.ac.za


Impressionen

Lions Head and Signal Hill (Bild: Monica Popescu)Lions Head and Signal HillKirstenbosch Botanical Garden (Bild: Monica Popescu)Kirstenbosch Botanical GardenChapmans Peak Drive (Bild: Monica Popescu)Chapmans Peak DriveUniversity of Cape Town - Jammie Plaza (Bild: Monica Popescu)University of Cape Town - Jammie PlazaTable Mountain (Bild: Monica Popescu)Table MountainPrivate Unterkunft (Bild: Monica Popescu)Private UnterkunftVerwaltungsgebäude (Bild: Institut für Baubetriebslehre)VerwaltungsgebäudeStudentenappartment (Bild: Institut für Baubetriebslehre)StudentenappartmentStudentenappartment, Gemeinschaftsbereich (Bild: Institut für Baubetriebslehre)Studentenappartment, GemeinschaftsbereichStudentenappartment (Bild: Institut für Baubetriebslehre)StudentenappartmentLongstreet (Bild: Monica Popescu)LongstreetBo Kaap (Bild: Monica Popescu)Bo KaapGreen Market Square (Bild: Institut für Baubetriebslehre)Green Market Square


Bilder: Monica Popescu und Institut für Baubetriebslehre



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